Justine Mettraux, Alan Roura und Ollie Heer konnten bei ihrer Vorbereitung auf die Route du Rhum Anfang September in Lorient überzeugen. Ihre Leistung stimmt zuversichtlich.

Text: Grégoire Surdez

Die drei Schweizer Vertreter haben am fünftägigen Défi Azimut grossen Eindruck gemacht. Im Zentrum des Interesses stand an allen drei Rennen des Wettkampfs Justine Mettraux. Die Genferin erfüllte die hohen Erwartungen souverän. Sie war auf sämtlichen Werbeträgern (Plakate, Flyer, Programm, Website) der Regatta zu sehen und trat in ihrer Kategorie erstmals solo an. «Letztes Jahr bin ich das Défi mit 11th Hour Racing gesegelt und die restliche Saison habe ich im Duo mit Simon Fischer oder mit anderen Teammitgliedern bestritten», sagte sie im Vorfeld. Dennoch müsse sie sich noch mit ihrem Boot vertraut machen, da es erst Ende Juli eingewassert wurde. Mit ihrer ersten Solofahrt zeigte sie sich zufrieden: «Im 48-Stunden-Rennen war ich stets vorne mit dabei.»

Die Skipperin der Teamwork gab bis zum Schluss alles. Ihr Engagement wurde mit einem 6. Platz belohnt. Sam Davis hatte auf seiner brandneuen Initiative Coeur (7.) das Nachsehen. Justine Mettraux konnte damit die gute Form, die sie schon im Training in Port la Forêt bewiesen hatte, bestätigen. Die Konkurrenz wird sie im Auge behalten müssen, denn sie strebt viel mehr an als den ehrenwerten Titel der besten IMOCASeglerin.

Roura mit durchzogener Bilanz

Für den anderen Schweizer Star im Feld erwies sich die Woche auf eine andere Art als instruktiv. Alan Roura und seine Hublot stehen unter genauer Beobachtung. «Resultatmässig bin ich hinter meinen Erwartungen und Hoffnungen zurückgeblieben», so seine Bilanz. Das Rennen und sein Format seien aber nicht wirklich auf ihn und sein Boot zugeschnitten, relativiert er. «Es wird viel am Wind gesegelt und es gibt allgemein wenig Wind. Das sind nicht die Bedingungen, für die das Boot entworfen wurde. Es wurde für Vorwindkurse in den Südmeeren konzipiert.»

Mit seinen alten, schweren und bauchigen Segeln, die im Hinblick auf die Route du Rhum mittlerweile ersetzt wurden, gelang der Hublot in der ersten Nacht des 48-Stunden-Rennens ein herrlicher Vorwindschlag, mit dem sich Alan Roura an der Bahnmarke vor Santander vom 24. auf den 8. Platz verbesserte. Auf der Rückfahrt wurden dann aber die Schwierigkeiten deutlich, die Roura am Wind immer wieder zurückwerfen. Auch an der Tour de l’Ile de Groix, die am letzten Tag ausgetragen wurde, bekundete er Mühe und musste sich mit dem letzten Platz begnügen.
«Es gibt für alles ein erstes Mal, auch für das Schlusslicht. Das wäre jetzt mal erledigt», grinste er.

Ollie Heer als Outsider

Ollie Heer war der lachende Dritte der Schweizer Delegation. Er schaffte es mit seiner alten IMOCA, der ehemaligen Gitana 80, in seiner Kategorie aufs Podest und schnitt damit besser ab als seine berühmten Landsleute. «Ich wollte hier vor allem Qualifikationsmeilen für die Vendée Globe sammeln», sagte der Zürcher, «alles Weitere war Bonus.» Der ehemalige Boat Captain von Alex Thomson machte sowohl bei den Temporuns als auch beim 48-StundenRennen und an der Tour de l’Ile de Groix eine gute Figur. Er bewies viel Regattagespür und verstand es, das Potenzial seines Bootes auszuschöpfen.