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Beneteau GT 45: zurück zu den Basics

von Quentin

Text: Michel Luizet
Fotos: Jérôme Kelagopian

Mit der Markteinführung des Aussenborders GT 36 hat Beneteau die Überarbeitung seiner Gran-Turismo-Baureihe eingeläutet. Im Rahmen dieser Runderneuerung ersetzt das neue Flaggschiff GT 45 den 2016 lancierten GT 46. Mit diesem Modell bekennt sich die Werft zu ihren Grundwerten und setzt wieder auf eine einfachere und schlichtere Ausstattung.

Gleicher sportlicher Rumpf, gleiches Hardtop mit Schiebedach und gleiche Motorisierung: Dem Gran Turismo 45 ist die Verwandtschaft mit seinen Vorgängern nicht abzusprechen. An der Spitze des Stammbaums steht der 2020 lancierte Flyer 42, der später in Gran Turismo 44 umbenannt wurde. Er musste sechs Jahre später dem GT 46 mit seinem unverkennbaren italienischen Look weichen. Das neue, knapp 15 Meter lange Modell mit Z- oder IPS-Antrieb von Volvo führt die Express-Cruiser-Reihe somit bereits in der dritten Generation weiter. Beneteau ist seinem Stil trotz Frischzellenkur treu geblieben und hat die von den Kunden seit über zehn Jahren geschätzte Innenausstattung nicht einfach über den Haufen geworfen. Stammkunden werden auf dem neuen Modell viel Vertrautes finden.

Die Küche ist wie gewohnt L-förmig angelegt und über einen breiten Niedergang erreichbar. Der halbmondförmige Kajütaufbau mit den fast durchgehenden Glasfronten, die das Innere mit viel Tageslicht füllen, verfehlt seine Wirkung noch immer nicht. Und auch die Arbeitsfläche der Pantry ist unverändert praktisch. Beim Kochen hat man alles in Griffnähe: die gut eingerichteten Schubladen und Schränke, den erhöhten Ofen, das doppelte Spülbecken, den Glaskeramikherd, den grossen Kühl- und Eisschrank und den optionalen Mini-Geschirrspüler. An Steuerbord bietet eine Sitzgruppe Platz für vier bis fünf Personen. Anstelle dieses offenen Küchen- und Salonbereichs kann eine dritte Kabine mit einem Kajütenbett und Trennwand eingebaut werden. Sie ist zwar etwas spartanisch ausgestattet, macht den GT 45 aber familientauglicher, da sie seine Kapazität auf sechs Personen erhöht.

Die vordere Kabine ist klassisch eingerichtet. Sie verfügt über ein grosses Bett in der Bugspitze und ein angrenzendes Bad, das man sich mit der dritten Kabine teilt. Die Eignersuite befindet sich im Heck. Sie vermittelt dank der grosszügigen Seitenfenster und der guten Stehhöhe ein tolles Raumgefühl. Direkt neben dem Eingang liegt das private Badezimmer mit separater Dusche und Toilette. Das Innenleben der Kabinen aus grauem Nussbaumholz und die Deko wurden zeitgemäss modernisiert, aber im Grossen und Ganzen entspricht das Interieur demjenigen des GT 44 und GT 46.

Beim Aussendesign hingegen ist praktisch alles anders. Das Deckslayout wurde weitgehend neu gestaltet. Vor sechs Jahren stand Beneteau noch unter dem Einfluss der venezianischen Stardesigner Carlo Nuvolari und Dan Lenard. Sie hatten die Monte-Carlo-Reihe und danach den GT 40 und den GT 46 entworfen und bei Beneteau mit ihrem eleganten und raffinierten Stil für einen echten Paradigmenwechsel gesorgt. Wir erinnern uns an die auf Knopfdruck in Liegestühle verwandelbaren Sessel, die drehbaren Sofas und die elektrischen Hardtop-Fenster, die sich wie Autoscheiben einfahren lassen. Mit ihrem einfallsreichen Design, den vielen Personalisierungsmöglichkeiten und der ausgefeilten, aber auch sehr aufwendigen und kostspieligen Technik setzte die Werft neue Massstäbe, entfernte sich allerdings von ihren doch eher pragmatischen Grundwerten.

Mit dem GT 45 richtet Beneteau den Fokus wieder auf mehr Einfachheit. Und auch beim Design greift die Werft auf Bewährtes zurück. Sie hat Pierluigi Andreani, der 2010 schon den ersten Gran Turismo entworfen hat, ins Boot geholt. Seine Handschrift ist beim funktionalen, urgemütlichen Cockpit nicht zu übersehen. Er hat den Bereich unter dem Hardtop mit den vergrösserten Seitenfenstern klar abgegrenzt und wie bei den anderen GT ein grosses Sonnendeck am Heck angebracht, unter dem eine Garage für ein bis zu 2,30 Meter langes Beiboot Platz hat. Die Garagentür lässt sich elektrisch öffnen, ohne dass man erst die Kissen wegzippen muss. An der riesigen, versenkbaren Badeplattform ist ein Befestigungssystem für ein zweites Beiboot oder Unterwasserstrahlruder montiert. Damit man im Freien gediegen Essen zubereiten kann, gibt es auf dem Sonnendeck zudem einen unauffällig integrierten Elektrogrill.

Andreanis Sinn für praktische Lösungen zeigt sich auch im stattlichen U-förmigen Salon für acht bis zehn Passagiere, dem gegenüber sich eine schmale Küchenkonsole und ein ausfahrbarer 43’’-Fernsehbildschirm befindet. Das Cockpit hat den grossen Vorteil, dass es sich mit einer Glastür und einem Kippfenster zwischen Salon und Sonnenliege schliessen lässt. Es ist klimatisierbar, was vor allem in den USA sehr geschätzt wird. In Europa bevorzugen die Kunden meist die gute natürliche Lüftung durch das Schiebedach und die seitlichen Öffnungen. Gesteuert wird der Express-Cruiser an Steuerbord. Diese Konfiguration mit Pilotensessel und Zweierbank hat sich schon bei den Vorgängermodellen der GT-Reihe bewährt. Abgesehen von ein paar Aufhübschungen wurde der Steuerstand praktisch unverändert übernommen.

Was den Antrieb angeht, scheint der IPS optimal für das Powerboot mit seinen 10 Tonnen Leergewicht. Zwar wird er im Katalog alternativ mit Z-Antrieb angeboten, der gelangt aber bei einem solchen Kraftpaket doch an seine Grenzen. Gekoppelt mit zwei 440 PS D6-Motoren von Volvo erreicht der GT 45 mit IPS-Antrieb Spitzen von 33 Knoten. Die Reisegeschwindigkeit liegt bei 23 Knoten bei einem Verbrauch zwischen 100 und 110 l/h. Dank der sicheren Lage auf dem Wasser reagiert der GT 45 schnell und fährt steif und kurstreu. Dennoch wird ein dynamisches, automatisches Trimm-Steuerungssystem wie das von Zipwake empfohlen. Damit lässt sich das Boot wesentlich schneller und komfortabler trimmen. Bei niedrigeren Geschwindigkeiten wie im Hafen ist der Joystick zum Manövrieren eine willkommene Hilfe. Er ist im Grundpreis der Jacht – 500 000 Euro zuzüglich Mehrwertsteuer – inbegriffen. Für ein gut ausgestattetes und fahrbereites Boot fallen nochmals zusätzliche 80 000 Euro an.

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